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Psyche
Zuviel Leistungsdruck oder die Angst zu versagen
Erfolgszwang, Leistungsdruck, Perfektionismus - Symptome unserer Zeit. Die Angst zu versagen zerstört das Selbstwertgefühl und nimmt die Lebensfreude. Ein Buch zeigt wie man seine Versagensängste besser bewältigen kann.
Leistung als gesellschaftlicher Maßstab
Die Angst zu versagen oder zumindest nicht gut genug zu sein ist zu einem Grundgefühl unserer Leistungsgesellschaft geworden. Einer Gesellschaft, wo der Erfolg und die permanente Leistungsfähigkeit zu den wichtigsten Werten und Zielen zählen. Angesichts des heutigen, immer schneller werdenden Lebens und der rasch wechselnden Arbeitsmarktsituation werden die Ängste vor Minderleistung oder völliger Leistungsunfähigkeit immer größer und führen bei vielen Menschen zu Angstvisionen. Wer das Erwartete in Ausbildung und Beruf nicht verwirklichen kann, gilt als Versager und ist „out". Wer den gesellschaftlichen Anforderungen nicht entspricht, verliert an Sozialprestige und wird zum Außenseiter.
Hohe Ansprüche von allen Seiten
Bin ich der Anforderung überhaupt gewachsen? Bin ich gut genug? Für den Job, die Familie? Erfülle ich meine eigenen Ansprüche an mich? Fragen wie diese bestimmen immer häufiger Beruf und Privatleben. Fragen, denen Gesundheitspsychologe und Psychotherapeut Hans Morschitzky in seinem Buch „Die Angst zu versagen und wie man sie besiegt“ nachgeht. Auf dem Buchmarkt gibt es unzählige populäre Sachbücher über den Weg zum Erfolg, aber kaum Bücher, wie man mit befürchtetem oder realem Versagen umgehen lernen kann. Der Autor ist einer der führenden Experten auf dem Gebiet der Angsterkrankungen und psychosomatische Störungen. Nach Erfolgsbüchern wie „Die zehn Gesichter der Angst“, „Wenn die Seele durch den Körper spricht“ oder „Angststörungen“ wendet sich Morschitzky in diesem Werk nicht an bereits erkrankte Menschen, sondern an das (noch) gesunde Publikum.
Angst als Krankmacher
„Ich erlebe als Psychologe und Psychotherapeut immer häufiger, wie sehr befürchtetes oder reales Versagen Körper, Geist und Seele meiner Patientinnen und Patienten bestimmt. Während der Arbeit an diesem Buch habe ich fortlaufend analysiert, was Menschen, die an Angststörungen, Depressionen, Substanzmissbrauch, psychosomatischen Störungen, Essstörungen und Schmerzstörungen leiden, miteinander verbindet, auch zu einem früheren Zeitpunkt, als sie noch gesünder waren: Es ist die Angst zu versagen“, sagt Morschitzky.
Vertrauen in sich selbst stärken
Das Buch bietet einen Überblick der Versagensängste und eine Fülle von Ratschlägen, wie man Leistungsängste besser bewältigen kann. „Ich möchte das Vertrauen der Leser in ihre eigenen Bewältigungsmöglichkeiten von Leistungs- und Versagensängsten stärken und ihnen helfen, das Auftreten psychischer oder psychosomatischer Störungen zu verhindern. Oder ihnen helfen, sich daraus zu befreien“, so Morschitzky.
Buch gibt Hilfestellung
Hilfestellung bietet das Buch vor allem Menschen, die in der Öffentlichkeit auftreten, die sich oder ihr Produkt „verkaufen“ müssen: Manager präsentieren ihre Ergebnisse, Künstler ihre Werke, Studenten und Schüler ihr Wissen bei mündlichen Prüfungen. Wer sich vor seinen eigenen körperlichen Symptomen - wie übermäßigen Händezittern, Sprechschwierigkeiten oder einem Black-out vor Publikum - fürchtet, für den bietet das Buch eine Reihe von Denkanstößen und Lösungsmöglichkeiten.
In 20 Schritten aus der Versagensangst
Morschitzky zeigt die Hintergründe der häufigsten Versagensängste auf und ermutigt den Leser dazu, seine Stärken und Fähigkeiten, aber auch seine Fehler und Schwächen besser wahrzunehmen und zu akzeptieren. In einem 20-Schritte-Programm gibt er konkrete Hilfestellungen, wie Betroffene ihre Ängste überwinden und zu einem bewussteren und liebevolleren Umgang mit sich selbst finden können.
Risiko eingehen als Mittel zum Erfolg
Wie schon in „Die zehn Gesichter der Angst“ predigt Morschitzky den Weg des kalkulierbaren Risikos. Wer sich vor einem Auftritt in der Öffentlichkeit scheut, sollte sich in einem ersten Schritt klipp und klar entscheiden, die Herausforderung entweder anzunehmen oder eben nicht. Danach sollte man sich im Vorfeld die angstmachende Situation bildlich immer wieder vor Augen führen und seinen eigenen Erfolgsfilm drehen. Das Motto lautet: „Erfolge entstehen zuerst im Kopf.“ Morschitzky warnt jedoch vor allzu primitiven Denkmustern. Wer die rosarote Brille aufsetzt und sich wie bei so manchen Ratgebern aus dem Bereich des „positiven Denkens“ von unrealistischen Wunschträumen blenden lässt, dem droht ein böses Erwachen. Wer sich seinen Ängsten stellt (und diesen Weg predigt der Autor seit vielen Jahren), soll ein mögliches Scheitern einkalkulieren und sein potentielles Versagen akzeptieren. Damit nimmt man sich den Druck und bewertet die Situation selbst als weniger bedrohlich. Der Auftritt sollte dann entspannter gelingen, die Gefahr des tatsächlichen Versagens deutlich reduziert werden.
Buch
Hans Morschitzky
Die Angst zu versagen und wie man sie besiegt
Verlag: PATMOS; WALTER-VERLAG
Düsseldorf. 225 Seiten. Österreich € 15,40
ISBN 3-530-40183-8
„Angst klopfte an. Vertrauen öffnete. Keiner war draußen.“ Aus China
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