Gymnastik des Geistes

Mentales Training

Gymnastik des Geistes

Profisportler nutzen sie schon lange, die Kraft der Gedanken. Buddhistische Mönche praktizieren Achtsamkeit. Als Therapie zur Stressreduktion und Vermeidung des Burn-Out-Syndroms wird mittlerweile Meditation empfohlen. Auch Ärzte und Wissenschaftler sind überzeugt, dass sich mentales Training positiv auf die menschliche Gesundheit auswirkt.

Während Fitnesstraining den meisten Menschen ein Begriff ist, können viele mit dem Begriff Mentaltraining nicht viel anfangen. Beim Fitnesstraining steht der Körper im Mittelpunkt und die sportlichen Aktivitäten zielen darauf ab, ihn gesund und fit zu halten. Mentales Training sorgt für die gleichen Effekte auf geistiger Ebene. Es geht darum, das Zusammenspiel von Körper und Geist bewusst wahrzunehmen. Durch gezieltes Nutzen der geistigen Fähigkeiten, ist mentales Training eine umfassende Methode zur positiven Lebenseinstellung.

Mentaltraining im Profisport

Beim Sport dient das mentale Training dazu, sich bestimmte Bewegungsabläufe und Aktivitäten vorzustellen, ohne diese tatsächlich motorisch auszuführen. Man geht dabei im Geiste eine bestimmte Wettkampfsituation durch, so dass vor dem inneren Auge die „Gedankenbilder“ ablaufen. Wer die geforderte Aufgabe zumindest mental beherrscht, hat eine positivere Leistungseinstellung.

Insbesondere bei Sportarten mit hoher körperlicher Belastung kann das physische Training durch das psychische intensiviert werden und in den Erholungsphasen helfen mentale Übungen, um größere Trainingseffekte zu erzielen.

Auch bei Sportarten, die aus verschiedenen Gründen nur eine begrenzte Anzahl von praktischen Ausführungen erlauben, wie beispielsweise beim Ski-Abfahrtslauf, Turm- oder Skispringen, bietet das mentale Training eine bedeutende Ergänzung und Vertiefung des aktiven Trainings.

Ebenso können Ängste und Hemmungen, die der Sportler bei der Ausführung bestimmter Bewegungen hat, durch Mentaltraining erfolgreich bekämpft werden. Das angstfreie und erfolgreiche Durchspielen, beispielsweise eines Hochsprungs, bei dem man die Latte nicht berührt, vermindert Höhenangst und Sprunghemmungen.

Buchtipp: Mentaltraining im Sport: Bessere Leistung bei Training und Wettkampf von Christian Sterr. (Spomedis Verlag, 17,95 €)
Der Autor hat in diesem Buch Mentaltraining und althergebrachte Trainingsmethoden vereint. Neben Theorie gibt es auch praxisnahe Beispiele, die für Ausdauersportler und Teamsportler gleichermaßen nachvollziehbar sind. Ein psychologisches Training, das sich mit Zielsetzung, Motivation, Willensstärke, Stress- und Angstbewältigung, Visualisierungsverfahren sowie Verfahren zur Handlungskontrolle und Selbstbeobachtung auseinandersetzt.

Die Wissenschaft bestätigt „Meditation wirkt“

Während früher die Meditation der Esoterik verdächtigt wurde, ist sie heute salonfähig geworden. An verschiedenen Universitäten in den USA wird das menschliche Gehirn während der Meditation gescannt. Die Neurowissenschaftler konnten mit Hilfe von EEG und MRT außergewöhnliche Geisteszustände nachweisen. Beispielsweise hat der Psychiater Richard Davidson von der University of Wisconsin bei tibetischen Mönchen eine überdurchschnittliche starke Aktivität der linken Gehirnhälfte beobachtet. Diese ist für Menschen kennzeichnend ist, die eine optimistisch-ausgeglichene Grundhaltung haben, den so genannten „positiven affektiven Stil“.

Auch ein Gewichtsgewinn des Gehirns wurde bei den „Profimeditierern“ nachgewiesen. In den Regionen in denen das Gehirn während der Meditation aktiv ist, wächst es. Hinzu kommt, dass der „positive affektive Stil“ bei den Meditierenden auch im normalen Wachzustand vorhanden ist. Kurz zusammengefasst bedeutet es, sie haben eine positive Grundeinstellung zum Leben, gehen damit wesentlich entspannter und glücklicher an Alltagsituationen heran und auch Probleme werden leichter bewältigt.

Buchtipp: Das Wunder der Achtsamkeit von Thich Nhat Hanh. (Theseus Verlag, 16,95 €)
Thich Nhat Hanh, der vietnamesische Zen-Meister, Dichter und führender Vertreter eines sozial-engagierten Buddhismus, hat das Wunder der Achtsamkeit für die Augenblicke des alltäglichen Lebens beschrieben. Die von ihm entwickelten 32 grundlegenden Übungen helfen uns eine achtsame Lebensführung zu erlernen.

Positive Effekte bei Krankheiten

Auch wenn die Forscher noch nicht genau wissen, was die Meditation tatsächlich im Gehirn bewirkt, sind sie sich bei der Heilwirkung auf Körper und Geist einig. Die so genannte achtsamkeitsbasierte Meditation, die in westlichen Ländern häufig zu therapeutischen Zwecken genutzt wird, hat durchweg positive Effekte auf den Krankheitsverlauf.

Eine Metastudie zur klinischen Forschung, kam zu dem Resultat, dass sich Meditation bei völlig unterschiedlichen Leiden, von chronischen Schmerzen, Fibromyalgie sowie Stress und sogar bis hin zu Krebsleiden, Depression und Angststörungen, heilend auf Körper und Geist auswirkt.

Der amerikanische Mediziner Jon Kabat-Zinn von der Universität in Massachusetts hat eine Methode entwickelt, die sich „Mindfulness Based Stress Reduktion“ kurz MBSR nennt. Das MBSR-Training, was zu Deutsch einfach: Stressbewältigung durch Achtsamkeit heißt, vereint verschiedene Meditationstechniken, Körperwahrnehmung und Yoga miteinander. Von diesem Konzept sind Ärzte und Patienten in den USA überzeugt, so dass es in über 250 Kliniken angeboten wird. Beim MBSR-Verband finden Sie MBSR-Trainer und weitere Informationen.

Buchtipp: Hirnforschung und Meditation. Ein Dialog. Wolf Singer und Matthieu Ricard. (Suhrkamp Verlag, 10 €)
In diesem Buch treten Wolf Singer (Hirnforscher) und Matthieu Ricard (ehemals Molekularbiologe, jetzt buddhistischer Mönch & Bestsellerautor) in einen Dialog über die Beziehung zwischen Hirnforschung und Bewusstseinstraining. Der Buddhismus wird hier als eine "Wissenschaft über den Geist" besprochen und die Frage gestellt, ob sich zentrale Fragen über die menschliche Natur überhaupt mit neurowissenschaftlichen Erkenntnissen verbinden lassen.

Übungen für den Alltag

Das Atmen
Bewusstes Atmen gehört zu den Grundübungen der Achtsamkeit. Schließen Sie die Augen und spüren Sie, wie die Luft in die Lunge strömt. Achten Sie darauf, wie sie beim Ausatmen wieder herausströmt. Atmen Sie mehrmals langsam und ruhig ein und aus. Sie werden bald bemerken wie Sie entspannter werden und Ihre Ruhe finden.

Die Gedanken
Den ganzen Tag schwirren tausende von Gedanken durch unseren Kopf. Nehmen Sie sich Zeit und setzen Sie sich ganz entspannt hin. Nun beobachten Sie Ihre Gedanken. Was geht da in Ihrem Kopf vor? Schauen Sie bewusst darauf, was Sie immer wieder beschäftigt. Lernen Sie sich über Ihre Gedanken kennen. Wer bewusst wahrnimmt, was er denkt kann mehr über sich selbst erfahren. Erst wenn wir uns darüber klar werden, was wir denken, können wir die Gedankenmuster verändern und ins Positive wandeln.

Das Lächeln
Das uns ehrliches Lachen oder Lächeln positiv stimmt ist wissenschaftlich längst bewiesen. Nutzen Sie doch mal eine rote Ampelphase zum Atmen und Lächeln. Nehmen Sie beim Einatmen Ihren Atem bewusst war. Und zaubern Sie beim Ausatmen ein Lächeln auf Ihre Lippen. Das bedarf vielleicht einiger Übung, aber ist es auf jeden Fall wert, denn es vertreibt auch Ärger und Alltagsstress.

Buchtipp: Meditieren in drei Minuten. Die Gefühle verstehen und das Leben meistern von David Harp und Nina Feldmann (Rowohlt Verlag, 9,90 €).
In diesem Buch finden sich weitere Übungen, die wie der Titel schon sagt zunächst einmal nicht viel Zeit benötigen. Eine Sammlung verschiedener Meditationstechniken ermöglicht einen wunderbaren Einstieg in die Meditation und enthält darüber hinaus viele wertvolle Tipps für das seelische Wohlbefinden.

Seminare – Workshops - Kurse

Wer sich für buddhistische Meditation interessiert, bekommt Sie bei der Buddhistischen Union die Kontakte zu allen Schulen.

Wenn Sie die Meditation lieber bei einem westlichen Lehrer erfahren möchten, können Sie bei fitflow Mentales Training, unter anderem Workshops zur Einführung in die Meditation belegen oder ein Einzelcoaching buchen.

Weitere Mentaltrainingstechniken bietet in Deutschland, Österreich und der Schweiz das Ackermann Training.

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